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Der Fischotter ist das Wildtier des Jahres. Auch bei uns im Landkreis Cloppenburg ist er bereits wieder aufgetaucht.

Von Thomas Kaiser

Kreis Cloppenburg
Der Fischotter ist das Wildtier des Jahres 2021. Der scheue Wassermarder war in Deutschland fast ausgerottet. Seit rund zwei Jahrzehnten wächst der Bestand aber wieder stetig, wie im benachbarten Kreis Oldenburg, wo etliche Otter an Hunte, Delme und Lethe heimisch geworden sind. Auch im Kreis Cloppenburg ist der elegante Schwimmer schon gesichtet worden: Otterexperte Dr. Hans-Heinrich Krüger fand seine Spuren auf dem Gelände der Teichwirtschaft Ahlhorn (Gemeinde Emstek). Im Interview mit clpNEWS spricht er über die Rückkehr des Fischotters.

Frage: Was fasziniert Sie am Fischotter?
Dr. Hans-Heinrich Krüger: Fischotter sind sehr heimliche Tiere. Nur überaus selten lassen sie sich beobachten. Entsprechend gering ist unser Wissen um diese Tierart und daher ranken sich auch viele Mythen um diese eleganten Schwimmer. Dabei leben sie in vielen Gewässern, selbst mitten in unseren Städten und Dörfern.

Frage: Wann und warum gingen die Bestände zurück?
Dr. Hans-Heinrich Krüger: Zu allen Zeiten wurden Otter als Fischereischädlinge verfolgt und getötet. Aber auch der Pelz war zeitweise enorm gefragt. Entsprechend intensiv stellte man den Ottern nach. Doch all diesen Verfolgungen konnten die Bestände standhalten. Erst als man in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts ihre Lebensräume großflächig zerstörte, indem man Gewässer und Moore trockenlegte, Flüsse und Gräben begradigte und viele Ufer in Betonbetten zwängte, verschwand diese Tierart aus unserer Landschaft. Zu der Zeit gab es in den verschmutzten Gewässern auch weniger Fische zu fressen. Und die verbliebenen Fische waren mit Giftstoffen angereichert, besonders mit PCBs, die den Otter zwar nicht direkt töteten, aber seine Fortpflanzung verhinderten.
In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es daher in Niedersachsen nur noch kleine Restbestände. Insbesondere in der Südheide hatten die Otter überlebt. Zu der Zeit begannen aber die Schutzmaßnahmen zu wirken: Renaturierungsmaßnahmen, das Jagdverbot, der Bau von Kläranlagen und das Verbot der Giftstoffe ließen die Otterpopulation wieder wachsen. Unterstützt wurde diese Entwicklung durch Fischotter aus den neuen Bundesländern, die zu der Zeit den Weg nach Westen angetreten hatten.

Frage: Wie ist es heute um den Fischotter im Kreis Cloppenburg bestellt?
Dr. Hans-Heinrich Krüger: Die Rückbesiedlung großer Bereiche Niedersachsens durch Fischotter verläuft in den letzten Jahrzehnten erstaunlich schnell. Schneller, als man es erwarten würde. Denn ein Weibchen muss zwei Jahre überleben, bevor es zum ersten Mal zwei Jungtiere bekommt. Trotzdem haben die Otter es in den letzten 30 Jahren von der Südheide bis nach Südniedersachsen geschafft. In Richtung Westen haben sie die Weser überschritten und zum Beispiel den Landkreis Oldenburg weitgehend besiedelt. Im Landkreis Cloppenburg gibt es bisher nur einzelne Funde. Schaut man in das Portal „Otter-Spotter“, in dem Fischotternachweise sehr umfassend gespeichert werden, dann sind dort für die letzten zehn Jahre nur vier Otternachweise im Landkreis verzeichnet. Dieses Ergebnis beruht aber weitgehend auf Zufallsfunde. Bei einer systematischen Verbreitungserhebung könnte sich ein anderes Bild ergeben.

Frage: Was ist heute die größte Bedrohung?
Dr. Hans-Heinrich Krüger: Zu viele Otter werden zum Beispiel Opfer des Straßenverkehrs. Besonders wenn Stauwehre oder Wassermühlen die Fließgewässer an Straßen völlig absperren und die Otter daher bei ihren Wanderungen gezwungen sind, die Fahrbahn zu queren, werden sie regelmäßig überfahren. Hier hilft nur ein Öffnen dieser Sperren durch Umgehungsgerinne oder großzügig dimensionierte Durchlässe unter den Straßen.
Wie groß die Gefahr für Fischotter heutzutage ist, in einer Fischreuse zu ertrinken, ist weitgehend unklar. Aus verständlichen Gründen werden solche verunfallten Otter von den Fischern in aller Regel nicht angezeigt. Die Otter schwimmen, genau wie Fische, in das Netzwerk und können sich daraus nicht befreien. Älteren Berichten zufolge ein nicht ungewöhnliches Ereignis. Durch eine Einengung des Reuseneinganges mit Gittern oder durch eingebaute Sollbruchstellen im Netzwerk können solche Verluste vermieden werden.

Frage: Wie sieht der ideale Lebensraum für den Fischotter aus?
Dr. Hans-Heinrich Krüger: Fischotter sind sogenannte semiaquatische Tiere, das heißt, sie leben sowohl an Land wie auch im Wasser. Dementsprechend sind sie auf Gewässer angewiesen. Gewässer, die sie gleichzeitig mit ihrer Hauptnahrung, den Fischen versorgen. Fischotter und Fische sind somit auf saubere und strukturreiche Gewässer angewiesen. Zudem sollten genügend Verstecke vorhanden sein, sei es für die täglichen Schlafzeiten, als Schutz vor Feinden oder zur Aufzucht der Jungtiere. All das hilft aber nichts, wenn im Lebensraum gleichzeitig zahlreiche Straßen den Lebensraum zerschneiden oder Fischreusen zur Todesfalle werden. Diese Probleme lassen sich auch nicht durch mehr oder größere Schutzgebiete lösen, da Fischotter sehr großräumig unterwegs sind. Man schätzt, dass die täglichen Aktionsräume der Ottermännchen ca. 20 km Flusslänge, die der Weibchen ca. 10 km umfassen.

Frage: Ist eine größere Population auch im Kreis Cloppenburg denkbar,
Dr. Hans-Heinrich Krüger: Nach den wenigen Funden, die bisher im Landkreis Cloppenburg registriert wurden, hat die Rückkehr des Fischotters vor ca. 10 Jahren eingesetzt. Die ersten Rückkehrer sind Einzeltiere. Nachdem man nun im Landkreis Oldenburg von einer flächendeckenden Besiedlung sprechen kann, insbesondere in der Lethe, den Ahlhorner Fischteichen und im Naturschutzgebiet „Bäken der Endeler und Holzhauser Heide“, ist davon auszugehen, dass die Rückbesiedlung im Ostkreis Cloppenburg bereits eingesetzt hat. Zumindest muss im gesamten Landkreis mit dem Vorkommen des Otters gerechnet werden. Denn Entfernungen von 20 bis 30 km legen Fischotter mit Leichtigkeit in einer Nacht zurück.
Und es sei noch gesagt, auch aus dem Westen ist mit dem Auftauchen von Fischottern zu rechnen – denn vor ca. 20 Jahren wurde der Fischotter in den Niederlanden wiederangesiedelt.

Fischotter

Fischotter sind große, muskulöse Marder mit dunkelbrauner Oberseite und flachem, breitem Kopf. Sein extrem dichtes Fell (70.000 Haare/Quadratzentimeter) schützt ihn gegen Nässe und Kälte. Bei der Jagd auf Fische und Amphibien bewegt sich der Fischotter mit großer Schnelligkeit und ist ein ausdauernder Taucher. Fischotter sind überwiegend dämmerungs- und nachaktive Einzelgänger. Für die Tagesruhe suchen sie Erdhöhlen im Uferbereich oder Verstecke zwischen Wurzeln oder Schilf auf. Fischotter paaren sich das ganze Jahr und bekommen so auch rund ums Jahr Junge.  Ausgewachsene Tiere werden ca 1,20 Meter lang, ca. 10-12 kg schwer und etwa 15 Jahre alt.
Foto: Dr.  Hans-Heinrich Krüger

Otterexperte mit viel Erfahrung
und Leidenschaft

Dr. Hans-Heinrich Krüger aus Hankenbüttel hat nach dem Studium der Forstwissenschaften an der Uni Göttingen über die Polulationsbiologie von Baum- und Steinmardern promoviert. Zwei Jahrzehnte war er als Verantwortlicher für die Tierhaltung und Tierforschung im Otter-Zentrum bei der Aktion Fischotterschutz e.V. tätig. Einen großen Raum nahmen hierbei die Beratungen und Forschung zur Abwehr von Steinmarderschäden ein. Seit zwei Jahren stellt Dr. Krüger freiberuflich mit seinem Büro „Mustela-Consult” (www.mustela-consult.de) sein Fachwissen in der Projektarbeit zur Verfügung.


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