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Auch im Oldenburger Münsterland verzeichnet die Polizei einen erneuten Anstieg im Bereich der Kinderpornografie. Seit dem 1. April sucht jetzt eine ständige Ermittlungsgruppe nach Tätern. Symbolbild: M. Baumeister/Unsplash

Von Thomas Kaiser

Kreis Cloppenburg.
Es wurde allerhöchste Zeit: Kindesmissbrauch und Kinderpornografie gelten jetzt in Deutschland grundsätzlich als Verbrechen. Das hat der Bundestag Ende März beschlossen. Sexuelle Misshandlungen von Kindern sowie Verbreitung, Besitz oder Beschaffung derartiger Bilder und Filme werden künftig mit einer Mindeststrafe von einem Jahr Gefängnis geahndet. Zudem bekommen Ermittler mehr Befugnisse bei der Handy- und Computerüberwachung im Zusammenhang mit diesen abscheulichen Straftaten.

Der Grundtatbestand der sexualisierten Gewalt gegen Kinder war bisher als „Vergehen” mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bedroht. Jetzt geht es bis zu 15 Jahre ins Gefängnis. Auslöser für den Gesetzesentwurf und die Verschärfung des Strafrahmens waren die von 2017 bis 2020 bekanntgewordenen Missbrauchsfälle von Bergisch Gladbach, Lügde, Münster und Staufen.

Die Fallzahlen im Bereich der Kinderpornografie sind im Jahr 2019 bundesweit um 65% gestiegen. Beim sexuellen Missbrauch von Kindern weist die Statistik einen Anstieg von 11 Prozent auf.

Auch im Oldenburger Münsterland ist das längst ein Thema. Seit einigen Jahren verzeichnet die Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta steigende Fallzahlen im Bereich der Kinderpornografie: Im Jahr 2019 ermittelten die Beamten in 93 Fällen. Im vergangenen Jahr waren es 146 – ein Plus von 56%. Und die Tendenz steigt weiter.
Auch deshalb war im November eine vorläufige Ermittlungsgruppe bei der Polizeiinspektion ins Leben gerufen. Daraus ist seit dem 1. April eine „ständigen Ermittlungsgruppe“ geworden, die sich nun mit noch mehr Personal um die Aufklärung dieser Verbrechen kümmert.

„Neben der hohen psychischen Belastung für die Kolleginnen und Kollegen, zeichnet sich auch die Ermittlungsarbeit durch eine hohe Komplexität aus”, berichtete Alexander Kreye, der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes, kürzlich bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2020. Große Datenmengen müssten gesichtet werden.

Die Digitalisierung sei einer der Hauptgründe für die steigenden Fallzahlen im Bereich der Kinderpornografie. „Die Dateien sind überall verfügbar und leicht verteilbar”, erklärt Polizeioberrat Alex Kreye.
Um die Täter aufzuspüren, kommt dabei seit einigen Jahren auch verstärkt Unterstützung aus den USA, so Kreye: Das „National Center for Missing and Exploited Children” (NCMEC) schickt jedes Jahr tausende Verdachtsmeldungen ans Bundeskriminalamt. Die Nichtregierungsorganisation arbeitet u.a. eng mit Google und Facebook zusammen. Als Folge ist die Zahl der Strafverfahren bundesweit deutlich gestiegen – auch in Cloppenburg.