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Der OM-Heimatbund macht sich für ein plattdeutsches Programm im Radio stark. Symboldbild: Thomas Breher/Pixabay

Oldenburger Münsterland.
„Funklock stoppen!“ – unter dieser Überschrift engagiert sich ein Bündnis von Landschaftsverbänden, Heimatbünden, Bühnenbünden, Plattdeutschen Räten und Vereinen verschiedener norddeutscher Bundesländer für die Einrichtung eines plattdeutschen Programmes. Der Heimatbund für das Oldenburger Münsterland setzt sich seit über 100 Jahren für die plattdeutsche Sprache ein und schließt sich darum dem Bündnis an. Initiator waren der Schleswig-Holsteinisches Heimatbund und der Bundesrat für Niederdeutsch mit dem Niederdeutschsekretariat.

Konkret geht es um die Schaffung eines öffentlich-rechtlichen plattdeutschen Mediums. Das Online-Treffen vor Ostern begann mit Programm-Beispielen anderer kleiner Sprachen in Europa: Waliser, Sami, Sorben, Westfriesen. Zum Schluss der Konferenz konnten sich die 31 Delegierten dann auf einen gemeinsamen Fahrplan für ein plattdeutsches Programm verständigen.

„Wir fordern ein öffentlich-rechtliches Medium, das 24 Stunden am Tag sieben Tage die Woche ein plattdeutsches Hörfunk-Programm plus Online-Angebot sowie gelegentliche Filmbeiträge produziert.”

Die Initiatoren schreiben: „Wir nehmen uns andere Kleine-Sprachen-Sender in Europa zum Vorbild und fordern ein öffentlich-rechtliches Medium, das 24 Stunden am Tag sieben Tage die Woche ein plattdeutsches Hörfunk-Programm plus Online-Angebot sowie gelegentliche Filmbeiträge produziert. Das Hörfunk-Programm bietet einen Mix aus bunten Themen sowie seriösen Berichten über Welt und Region. Dazu gehören tagsüber stündliche oder halbstündliche Nachrichten. Im Musikprogramm laufen aktuelle plattdeutsche, hochdeutsche und internationale Musiktitel für Erwachsene. Besondere Hörfunk- oder Online-Angebote richten sich an Jugendliche und Senioren. Das Medium nutzt die plattdeutsche Sprache als tägliches Werkzeug und hält dabei Qualitätsstandards ein, die in anderen deutschen Programmen für die hochdeutsche Sprache gelten.“

Ging es bisher in der auf das Thema Medien gerichteten Interessensarbeit für das Niederdeutsche in Ausschüssen und Gremien zumeist um einzelne plattdeutsche Sendeminuten in ansonsten standardsprachlichen Programmen, so streben die Initiatoren nun nach einem substantiellen, nachhaltigen, verlässlichen medialen Angebot, welches der öffentlich-rechtlichen Versorgung anderer „kleiner Sprachen“ in Europa vergleichbar ist. Der digitale Fortschritt hat die Ausstrahlung eines solchen Programms längst erleichtert. Am Beispiel des Norddeutschen Rundfunks, der mit NDR Blue, NDR Plus und NDR Info Spezial drei zusätzliche Programme geschaffen hat, die er online und via DAB+ ausstrahlt, erleben wir, dass die Einrichtung und flächendeckende Verbreitung eines solchen Programms technisch kein Problem darstellt.

„2,5 Mio. Menschen sprechen Niederdeutsch”

Doch die Niederdeutschen – mit 2,5 Millionen Sprechern in Deutschland (vgl. Handbuch der Sprachminderheiten in Deutschland, Narr 2020) eine der größten „kleinen Sprachen“ Europas – sind, was ihre mediale Versorgung anbelangt, weiterhin Schlusslicht.

Ein Video, das der Schleswig-Holsteinische Heimatbund am 28.01.2021 auf Youtube veröffentlichte, führt die ungenügende Lage vor Augen. Zu sehen ist ein Radio, das unter anderem das samischsprachige (ca. 20.000 – 40.000 Sprecher) Programm des schwedischen Rundfunks, das friesischsprachige (ca. 450.000 Sprecher) Programm des niederländischen Rundfunks oder das gälischsprachige (ca. 1,6 Mio. Sprecher) Programm des irischen Rundfunks empfängt. Bei diesen Beispielen handelt es sich bei allen Beispielen um öffentlich-rechtlich angebundene Sender. Als allerdings im Film das Plattdeutsche genannt wird, verstummt das Radio.

Mit dieser Initiative möchten die Beteiligten Gremien, Verbände und Institutionen einen Weg beschreiten, der diesen Mangel in Zukunft beseitigt und – wie es der Kampagnenslogan einfordert – das Funkloch endlich zu stopfen. Dieser Forderung können sich gern weitere Unterstützer anschließen. Gefragt sind hier vor allem die Landschaftsverbände, Heimatverbände, Heimatvereine, alle, die der plattdeutschen Sprache den Raum schaffen möchten den sie braucht, um in der Öffentlichkeit ihren Platz zu behaupten.

Nachfragen beantwortet gerne der Bundesrat für Niederdeutsch/Niederdeutschsekretariat (info@niederdeutschsekretariat.de) Heinrich Siefer, Sprecher des Bundesrates für Niederdeutsch, hsiefer@ka-stapelfeld.de oder auch an den Referenten für Niederdeutsch beim Schleswig-Holsteinischen Heimatbund, Jan Graf, j.graf@heimatbund.de.

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