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Von Thomas Kaiser

Cappeln
1159 ist das Jahr, in dem Cappeln groß rauskommt. Der kleine Ort und seine Einwohner wollen kirchlich selbstständig sein. Man trennt sich von der Mutter-Pfarrei in Emstek. Es ist gleichzeitig der Moment, in dem Cappeln erstmals urkundlich erwähnt wird. Doch bereits ein paar Jahre zuvor um 1150 hatten die Dorfbewohner den Grundstein dafür gelegt. Wortwörtlich. Sie errichten eine kleine, steinerne Kirche. Diese Kapelle gab dem Ort ihren Namen: Cappeln.

Ende des 19. Jahrhunderts war die Kirche nach einigen zwischenzeitlichen Erweiterungen inzwischen zu klein geworden. 1585 Menschen lebten damals in Cappeln. Außerdem war das Gebäude zu niedrig, es war feucht und dunkel. Am 24. März 1897 beschloss der Kirchenvorstand deshalb den Bau eines neuen Gotteshauses mit mindestens 500 Sitzplätzen auf dem bisherigen Kirchplatz. 1900 machte sich Architekt „Hilger Hertel der Jüngere” ans Werk. Zwei Jahre später war die markante neugotische Hallenkirche fertig. Somit feiert die Pfarrkirche St. Peter und Paul in Cappeln im nächsten Jahr im September ihren stolzen 120. Geburtstag.

Kein Wunder also, dass die Cappelner eine ganz besondere Beziehung zu ihrer Pfarrkirche haben. Mit ihren roten Ziegeln ist sie ein echter Hingucker und das Cappelner Wahrzeichen. Aber auch so ein Schmuckstück muss gehegt und gepflegt werden. Deshalb sollten am Jahresanfang eigentlich kleinere Renovierungsarbeiten erledigt werden. Doch seit Februar ruhen die Arbeiten an dem eingerüsteten Kirchturm. Der Grund: „Das Mauerwerk ist völlig durchfeuchtet”, erklärt Pfarrer Jörn Illenseer auf unsere Nachfrage. „Experten prüfen jetzt die Ursache und die Schäden. Dann wird überlegt, wie die Feuchtigkeit dauerhaft behoben werden kann. Die muss natürlich raus aus dem Turm!”

Ursprünglich sollten kleinere schadhafte Stellen wie Risse am Mauerwerk und die Fugen des Turms ausgebessert werden. Das hatte schon vor knapp zehn Jahren am Kirchenschiff gut geklappt.

Der Kirchturm in Cappeln ist noch eingerüstet. Wann weitergearbeitet werden kann, ist aktuell unklar. Foto: west

Auch am großen Turmfenster waren diesmal Arbeiten geplant. „Jetzt haben wir eine unklare Situation und wir müssen auf die Untersuchung warten”, sagt Jörn Illenseer, dem etwas vor dem möglicherweise folgenden „Maßnahmenkatalog” Angst und Bange ist.

Denn ursprünglich waren für die Arbeiten mal 100.000 Euro kalkuliert und bewilligt worden. Der Kostenschlüssel für eine derartige Kirchenrenovierung ist fix: 35 Prozent trägt die Kirchengemeinde, 65 % übernimmt das Offizialat in Vechta, erklärt Pfarrer Jörn Illenseer. In diesem Fall hätte die katholische Kirchengemeinde St. Peter und Paul Cappeln also 35.000 Euro aus der eigenen Tasche bezahlen müssen.

Die Kalkulation ist jetzt aber erst einmal über den Haufen geworfen: „Was die neue Situation jetzt finanziell für uns bedeutet, ist noch völlig unklar. Wir müssen einfach abwarten und uns dann noch einmal mit dem Offizialat austauschen.“