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Zum internationalen Welthospiztag am 9. Oktober lädt das Hospiz „Wanderlicht” in Cloppenburg nun Persönlichkeiten und Gruppen aus dem ganzen Landkreis ein, sich der Frage zu stellen: Was nimmst du mit, wenn das Leben zu Ende geht?

Von Gaby Westerkamp

Cloppenburg
Die alte Trompete fällt sofort auf, wenn man in den nostalgischen Koffer schaut. In einer Ecke hockt eine kleine Puppe, ein Kölner Fußballtrikot liegt fein gefaltet daneben. Und ein Brief, in dem jemand ganz persönliche Gedanken zu Papier gebracht hat. Gedanken zum Sterben und über das Danach. Gedanken, die jemand als Gepäck für die Zielgerade seines Lebensweges aufgeschrieben hat. Denn darum geht es hier: Einen „Koffer packen für die letzte Reise”.
Genauso heißt das Projekt, mit dem das Team des Cloppenburger Hospizes Wanderlicht Menschen an die Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensende heranführen möchte. Und dafür einen ersten Koffer schon einmal gemeinsam gefüllt hat. Was ist wirklich wichtig? Was bleibt am Schluss? Was nehme ich mit? Sich diesen Fragen zu stellen ist nicht einfach. Hilft aber

Starten und begleiten gemeinsam das Wanderlicht-Projekt „Mein Koffer für die letzte Reise”: Hospiz-Geschäftsführerin Heike Büssing (rechts), ihre Mitarbeiterin Ann-Kathrin Vaske (links) sowie Alfons Reinkemeier und Gerd Möller-Reemts (Mitte v.l.) vom Ehrenamtlichen-Team im Wanderlicht. Mitarbeiter der Einrichtung haben bereits gemeinsam einen ersten Koffer gepackt. Weitere warten noch auf ganz persönliche Inhalte... Foto: Westerkamp

später, wenn der eigene Weg zu Ende geht. Diese Erfahrung haben die haupt- und ehrenamtlichen Hospiz-Begleiter schon sehr oft gemacht. Das Motiv der Reise gibt dem Ganzen ein greifbares und auch lebensbejahendes Bild.
Das Wanderlicht-Team möchte in den nächsten Wochen ausgewählte Persönlichkeiten und Gruppen quer durch die Vielfalt der Gesellschaft ansprechen und bitten, für eine Ausstellung einen ganz individuellen Koffer zu packen mit allem, was ihnen für ihren letzten Weg wichtig ist. Das können Lieblingsbücher, Bilder oder kleine Erinnerungsstücke sein, Dinge aus der Kindheit oder auch ein Kleidungsstück, das einen selbst oder einen liebgewonnenen Menschen lange begleitet hat. Es können auch Worte sein – Briefe, Tagebücher, Gedichte, auf Papier oder auch als Audio auf CD oder Stick. Vielleicht auch Musik? Grenzen setzen nur die Maße des Koffers, sonst nichts. Auf Wunsch bleiben die Teilnehmer anonym. Bis zu einem Jahr können sie sich Zeit lassen. Dann soll zum Welthospiztag 2022 die Ausstellung in der Kunsthalle eröffnet werden. Und später vielleicht auch ganz oder in Teilen auf Wanderschaft gehen.
Wer mehr Informationen wünscht, kann sich an die Projektgruppe des Wanderlichts wenden. Kontakt: Telefon 04471 85019-10 und www.wanderlicht-hospiz.de

Sind wir vorbereitet für unsere letzte Reise?

Gedanken von Alfons Reinkemeier

Wahrscheinlich kennen Sie das auch: Die geplante Urlaubsreise steht an, und je näher der Termin rückt, umso mehr mischt sich in die Vorfreude der Gedanke an das nervige Packen. Welchen Koffer nehme ich, was muss alles mit, damit ich die Reise auch gut vorbereitet und unbeschwert antreten kann?
In der Regel haben wir das gut im Griff, denn wir sind ja erfahren… Aber wie steht es um unsere letzte Reise? Sind wir da auch gut vorbereitet? Ich muss zugeben, dass ich das nicht bin – wie die meisten empfinde ich die Gedanken an Sterben und Tod als bedrückend und verdränge sie lieber. Denn anders als unser nächster Urlaubstrip ist diese unsere letzte Reise eine Reise ins Ungewisse, eine Reise ohne Wiederkehr, eine Grenzerfahrung ganz anderer Art.
Vom Leben als Reise hat schon das Mittelalter gewusst. So heißt es in einem Spruch aus dieser Zeit:

,,Ich komme, ich weiß nicht woher.
Ich bin, ich weiß nicht wer.
Ich sterb, ich weiß nicht wann.
Ich geh, ich weiß nicht wohin.
Mich wundert’s, dass ich so fröhlich bin.“

Es fällt auf, dass dieser mittelalterliche Mensch genau die Fragen stellt, die von modernen Philosophen existenzielle genannt werden, und dass er dabei trotzdem seine fröhliche Grundstimmung nicht verliert. Im Grunde trifft das auch auf das Hospiz „Wanderlicht“ zu: dem Sterben und den damit verbundenen Fragen Raum geben und trotzdem dem Leben zugewandt bleiben.
Und genau das ist auch das Anliegen unserer Aktion ,, Mein Koffer für die letzte Reise“. Wir finden es wichtig, dass wir uns mit der Grenzerfahrung des Todes schon mitten im Leben befassen und sie nicht tabuisieren. Denn durch die Rückbesinnung auf das, was mir im Leben immer schon wichtig war, was es getragen hat, verliert mein Leben an Oberflächlichkcit und gewinnt an Tiefe.